Schutzgebiete in Tirol

Naturschutzgebiete » Sinesbrunn

Die Flächen um Sinesbrunn sind das wichtigste Refugium für eine sehr seltene Libellenart südlich des Fernpasses in Nordtirol. Dort konnten sich gute Bestände dieser Art erhalten.

Kurzsteckbrief

Fläche:
51,8 ha
Standort:
Tarrenz (Imst)

Natura 2000 Gebiet seit 2015
Naturschutzgebiet seit 2019

Lage

Das Naturschutz- und Natura-2000 Gebiet Sinesbrunn liegt in der Gemeinde Tarrenz (Ortsteil Obtarrenz) im Bezirk Imst in Tirol, nördlich des Gurgltales und südlich des Gafleintales. Es bietet ein abwechslungsreiches Mosaik aus Moor- und Feuchtflächen, Waldflächen und Almweiden und markiert mit seiner Mittelgebirgslage auf rund 1500 m einen Übergangsraum zwischen Talboden und alpinen Höhen der Lechtaler Alpen.

Landschaftsausstattung:

Sinesbrunn befindet sich auf einer Terrasse mit schattigen Waldflächen und sonnigen, offenen Arealen. Das gemäßigt-kühle, alpine Klima, glazial geprägte Geländestrukturen (Mulden, flache Hangpartien, Geländeschwellen) und unterschiedliche geologische Substrate (Kalke und Silikate) beeinflussten die Entstehung einer Vielzahl an wertvollen Biotopen, die funktional und hydrologisch eng miteinander vernetzt sind. Latschenhochmoore und kalkreiche Niedermoorflächen stellen einen wesentlichen Teil der Moorstandorte dar. Außerdem gestalten periodische und permanente Moorgewässer, Quellfluren, Bergkiefern-Moorwald, und Schwingrasen das Landschaftsbild. Die Kombination unterschiedlicher Moorstadien und stabile Wasserverhältnisse sind von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung.

Erreichbarkeit:

Die Wallfahrtskirche Sinesbrunn westlich des Schutzgebietes ist ein kulturelles Bezugselement in der Umgebung. Von Tarrenz, Imst oder Nassereith aus ist Sinesbrunn über lokale Wanderwege und Forststraßen gut erreichbar. Um die sensible Moorlandschaft zu schützen, ist das Gebiet ausschließlich über ausgewiesene Wege zugänglich.

Flora und Fauna:

Die in Tirol sehr seltene Bileks Azurjunger, syn. Sibirische Azurjungfer (Coenagrion hylas) ist eine nach Anhang II der FFH-Richtlinie geschützte Libellenart und findet in mehreren Bereichen des Moorkomplexes Sinesbrunn geeigneten Lebensraum. Zudem beherbergt das Gebiet weitere moortypische Libellenarten wie die Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea), die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), und die Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia), welche in den Latschenhochmooren zu finden ist. Auch die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), der Grasfrosch (Rana temporaria) und einige Vogelarten, unter anderem Weidenmeise, Fichtenkreuzschnabel, Grünspecht und Auerhuhn leben in diesem besonderen Naturraum.
Das Gebiet ist reich an spezialisierten Moor- und Feuchtpflanzen. In den Niedermooren dominiert seggen- und binsenreiche Vegetation. In den Großseggenrieden beispielsweise wachsen Schnabelsegge (Carex rostrata), Steifsegge (Carex rostrata) und Gelb-Segge (Carex flava). In Quelltümpeln und kleinen offenen Wasserflächen sind Bestände an Sumpfdotterblume (Caltha palustris) und gewöhnlichem Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) zu finden. Übergangsmoorbereiche beherbergen Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris), Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Wollgräser (Eriophorum spp.). Geschützte Pflanzen nach Tiroler Naturschutzverordnung (TNSchV 2006, Anlage II) vor Ort sind Torfmoose (Sphagnum sp.), Sonnentau (Drosera spp.) und Laichkraut (Potamogeton spp.).

Schutzzweck und Erhaltungsziel für das Naturschutz- und Natura-2000 Gebiet Sinesbrunn:

Erhaltung und Förderung des Gebietes als Lebensraum für die Bileks Azurjungfer (Coenagrion hylas, EU-Code 1045), insbesondere durch Erhaltung und Förderung der im Gebiet befindlichen Moortümpel und Moorweiher sowie Hochmoor- und Niedermoorflächen.