Ruhegebiete » Ötztaler Alpen

Das Ruhegebiet Ötztaler Alpen umfasst beinahe ausschließlich hochalpines und alpines Gelände. Es bedeckt einen großen Teil des Zentralalpen-Hauptkammes, vom Wurmkogel und Hochfirst im Osten bis zur Weißkugel im Westen.

Kurzsteckbrief:

Fläche: 394,7 km²

Standort: Kaunertal, St. Leonhard im Pitztal, Sölden (Imst, Landeck)

Seehöhe: 1500 - 3768 m

Ruhegebiet seit 1981 (Neuverordnung 1997)

 

Landschaftsausstattung: 

Nach Norden reicht das Gebiet bei Zwieselstein bzw. Mittelberg in die subalpine Waldregion hinunter. Das Ruhegebiet zeichnet sich durch seine Wildheit und Unberührtheit aus und ist noch nicht durch Seilbahnen oder Straßen erschlossen. Die besiedelten Gebiete von Obergurgl (höchstes Kirchdorf Österreichs!) und Vent - Rofenhöfe (höchste Dauersiedlung Österreichs!) sowie die Schigebiete um Obergurgl, Rettenbachjoch, Riffelsee und am Mittelbergferner sind nicht Teil des Schutzgebiets.

 

Zahlreiche Gipfel ragen über 3000 m hinauf, hier liegen die höchsten Spitzen der Ötztaler Alpen (z.B. Wildspitze, Weißkugel, Hochwilde, etc.) sowie die größten und längsten Gletscher der Ötztaler Alpen.

Die markantesten Gipfel sind:

Wurmkogel (3082 m), Granatenkogel (3318 m), Hochfirst (3403 m), Liebener Spitze (3399 m), Seelenkögel (3470, 3426, 3286 m), Hangerer (3020 m), Hochwilde (3480 m), Karlesspitze (3462 m), Ramolkogel (3549 m), Schalfkogel (3537 m), Similaun (3599 m), Fineilspitze (3514 m), Kreuzspitze (3455 m), Weißkugel (3738 m), Hintereisspitze (3485 m), Fluchtkogel (3497 m), Wildspitze (3768 m), Weißer Kogel (3407 m), Mutkogel (3309 m), Bliggspitze (3453 m).

 

Einige der bedeutendsten Gletscher sind: Rotmoosferner, Langtaler Ferner, Gurgler Ferner, Schalfferner, Marzellferner, Hochjochferner, Hintereisferner, Gepatschferner, Kesselwandferner, Großer Vernagtferner. Neben vielen weiteren Gletschern gehört auch das berühmt gewordene Hauslabjoch mit seinem kleinen Kargletscher zum Ruhegebiet.

 

 

Zugang/Erreichbarkeit:

Über die Ötztaler Bundesstraße, bei Zwieselstein am nördlichen Rand des Schutzgebietes gabelt sich die Straße und führt nach Obergurgl bzw. Vent, deren Täler in das Schutzgebiet hineinragen. Außerdem ist das Schutzgebiet über das Pitztal, von Mittelberg, zu Fuß zu erreichen sowie über das Kaunertal südlich des Gepatsch-Stausees. Ein umfangreiches und weitverzweigtes Wegenetz spannt sich über das ganze Ruhegebiet. Wanderwege und Steige führen in die Talschlüsse und zu den Hütten sowie auf zahlreiche Gipfel.

Als Beispiele seien genannt: Weg von Mittelberg durch das Taschachtal zum Taschachhaus; von den Rofenhöfen zum Hochjochhospiz und weiter zur Vernagthütte; von Vent zur Martin-Busch-Hütte, zur Similaunhütte oder zur Breslauerhütte; von Obergurgl zur Schönwieshütte und weiter über die Langtaleregghütte zum Hochwildehaus; von Obergurgl zum Ramolhaus; vom Speicher Gepatsch zur Rauhekopfhütte; von der Vernagthütte zur Breslauer Hütte; der Offenbacherweg vom Gepatschhaus zur Rifflseehütte; der Fuldaer-Höhenweg von der Rifflseehütte zum Taschachhaus.

Bewirtschaftete Hütten:

Lenzenalm (1896 m), Bergstation Hohe Mut (2630 m), Schönwieshütte (2266 m), Langtaleregghütte (Karlsruher Hütte, 2430 m), Hochwildehaus (2866 m), Ramolhaus (3005 m), Martin-Busch-Hütte (2501 m), Hochjochhospiz (2412 m), Breslauer Hütte (2844 m), Vernagthütte (2755 m), Brandenburger Hütte (3274 m), Rauhekopfhütte (2731 m), Taschachhaus (2432 m). Similaunhütte (3017 m), Rifflseehütte (2289 m), Gepatschhaus (1925 m); die letzten drei Hütten liegen knapp außerhalb des Schutzgebietes. 

 

 

Flora und Fauna:

Die Pflanzendecke des Ruhegebietes wird zum größten Teil von alpinen Grasheiden, Schutt- und Felsvegetation gebildet. Darunter liegen Zwergstrauchheiden, an steilen Hängen Legföhrenbestände und in Rinnen Grünerlengebüsche. Bei Zwieselstein sowie im Gurgl- und Venter Tal befinden sich auch bewaldete Hänge der subalpinen Stufe, hauptsächlich Lärchen-Zirben-Wald. Berühmt ist der Obergurgler Zirbenwald, ein Naturdenkmal, am sogenannten "Brenner" südlich von Obergurgl. Hier stehen neben vielen Jungzirben auch einige alte "Wetterzirben", die einen Brand überstanden haben. Ein Lehrpfad erschließt diesen Wald. Das Institut für Hochgebirgsforschung in Obergurgl (früher Alpine Forschungsstelle) führt seit Jahrzehnten wissenschaftliche Untersuchungen im hochalpinen Ökosystem durch. Das innere Ötztal zählt zu den naturwissenschaftlich am intensivsten erforschten Landschaften der Zentralalpen. Zahlreiche Veröffentlichungen über alle Aspekte des Lebens im Hochgebirge liegen vor. Viele Pflanzen und Tiere dieses Lebensraumes zeigen besondere Anpassungen an die extremen Bedingungen, z.B. mehrjährige Entwicklungszyklen unter optimaler Ausnutzung der kurzen Vegetationsperioden. Durch die kalkreichen Gesteine des "Schneebergerzuges" bei Obergurgl hat sich hier eine abwechslungsreiche alpine Pflanzenwelt von z.T. ostarktischer Herkunft ausgebildet.

Auch der Mensch hat den Lebensraum oberhalb der Waldgrenze schon seit Jahrtausenden besiedelt, wie zahlreiche Funde in diesem Gebiet beweisen. Die wohl berühmteste Entdeckung ist der Mann im Eis am Hauslabjoch ("Ötzi"). Auch heute noch werden die hochgelegenen Almen um Obergurgl von Südtirol aus als Schafweiden genutzt, wobei die Schafe über uralte Wege von Süden her aufgetrieben werden.