Ruhegebiete » Muttekopf

Lage:

Das Ruhegebiet um den Muttekopf umfasst den südöstlichen Teil der Lechtaler Alpen mit Ost-West-Ausrichtung.

Größe:

38 km²; Seehöhe: 1360 - 2827 m; unter Schutz seit 1991; liegt im Gebiet der Stadtgemeinde Imst und Gemeinde Pfafflar, Bezirke Imst und Reutte

Landschaftsausstattung: 

Die wichtigsten Gipfel, von denen die meisten die Umrandung des Schutzgebietes bilden, sind: Vordere (2562 m) und Hintere Platteinspitze (2723 m), Hahnleskopf (2332 m), Maldonkopf (2632 m), Scharnitzköpfe (2554 m), Muttekopf (2774 m), Vorderes (2121 m) und Hinteres Alpjoch (2425 m), Pleiskopf (2560 m), Rotkopf (2692 m), Brunnkarspitze (2609 m), Große (2827 m) und Kleine Schlenkerspitze (2746 m), Hanauer Spitze (2553 m), Dremelspitze (2733 m), Schneekarlespitze (2641 m), Plattigspitzen (2558 m), Bockkarspitzen (2501, 2602 m), Tajaspitze (2587 m), Reichspitze (2590 m).

Der Großteil des Schutzgebietes wird nach Norden entwässert: Satteltal, Angerlebach und Fundaisbach. Seebrig und Scharnitzkar werden über den Malchbach nach Osten entwässert. Eine geologische Besonderheit ist das höchstgelegene und bestens aufgeschlossene Gosauvorkommen der Kalkalpen in diesem Gebiet. Ihr von der Umgebung abweichender Gesteinsaufbau (Konglomerate, Sandsteine, Mergel) mit den berühmten Blockschutteinlagerungen der "Blauen Köpfe" am Südabhang des Muttekopfes machen das Gebiet zu einem einmaligen geologischen Lehrbeispiel (FLEISCHMANN-NIEDERBACHER und NIEDERBACHER 1987, NIEDERBACHER 1982, WOPFNER 1954).

 

Zugang / Erreichbarkeit:

Von Hochimst führt ein Wanderweg über die Latschenhütte zur Muttekopfhütte (1934 m), von dort zahlreiche Wanderwege zu den Gipfeln oder über den Scharnitzsattel zum Hahntennjoch. Von Boden/Pfafflar führen mehrere Wanderwege in das Gebiet. Von Hochimst ausgehend gibt es einen Lift zum Alpjoch. Schutzhütten und Berggasthäuser sind: Muttekopfhütte (1934 m), die darunter liegende Latschenhütte (1750 m) knapp außerhalb des Schutzgebietes, sowie die Hanauerhütte (1922 m).

 

Lebewelt:

Der überwiegende Teil des Ruhegebietes Muttekopf liegt oberhalb der Waldgrenze in der alpinen Stufe des Hochgebirges. Wald bzw. Hochwald kommt nur in den Tälern vor. Darüber liegt die Latschenregion (Kampfwald und Legföhren); oberhalb schließt die Zwergstrauchheide und die alpine Grasheide an, an exponierten und sehr hoch gelegenen Stellen finden sich Vertreter der Polsterpflanzenstufe. Dem besonderen geologischen Unterbau entsprechend hat sich eine eigenständige Flora entwickelt. Im Gegensatz zu den sonst in den Lechtaler Alpen vorherrschenden Kalken (Wettersteinkalk und Hauptdolomit) bilden die Sandsteine und kalkig-tonigen Mergel bei ihrer Verwitterung fruchtbare Böden mit einem vielseitigen Nährstoffangebot. Verglichen mit reinen Kalkkaren ist die Vegetation im Muttekopfgebiet üppiger und in ihrer Artzusammensetzung wesentlich reichhaltiger. Besonders im Seebrig-Gebiet südlich des Muttekopfes liegt eine als extensive Schafweide genutzte Naturwiese, ein Blaugras-Horstseggenrasen (Seslerio-Semperviretum). Diese Pflanzengesellschaft ist für südexponierte-trockenwarme und relativ humusreiche Kalkalpenböden charakteristisch und weist neben Blaugras (Sesleria caerulea) und Horstsegge (Carex sempervirens) eine hohe Artenzahl von Alpenpflanzen auf (MUNGENAST 1988), die teilweise als gefährdet gelten und geschützt sind, z.B.:

  • Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopea)
  • Kohlröschen (Nigritella nigra)
  • Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride)
  • Scheuchzers Glockenblume (Campanula scheuchzeri)
  • Halbkugelige Teufelskralle (Phyteuma hemisphaericum)
  • Geschnäbeltes Läusekraut (Pedicularis rostrato-capitata)
  • Alpenhelm (Bartsia alpina)
  • Stengelloser Enzian (Gentiana clusii)
  • Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)
  • Goldpippau (Crepis aurea)
  • Alpenaster (Aster alpinus)
  • Berufskraut (Erigeron uniflorus)
  • Alpenglöckchen (Soldanella alpina)
  • Zwergmannsschild (Androsace chamaejasme)
  • Platenigl (Primula auricula)

Im Zentrum des Seebrig-Gebietes liegt auf einer Höhe von etwa 2300 m Meereshöhe ein ausgedehntes Wollgrasmoor um einen kleinen See mit dichten Beständen von Einköpfigem Wollgras (Eriophiorum scheuchzeri) und Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium). Dieses Moor dürfte aus einem nacheiszeitlichen Karsee entstanden sein und wird von Schmelzwässern und Quellen gespeist. Derartig hochgelegene Moore sind in Tirol selten. Aus dem Muttekopfgebiet stammen auch zoologisch interessante Funde, unter anderem mehrere Arten von Kleinschmetterlingen (Psodos chalybdaeus oder Sattleria dzieduszyckii ssp. fusca, letzterer Fund ist der erste und einzige Nachweis für Nordtirol). Diese Tiere leben in Schotterhalden zwischen Steinbrech-Polstern (Saxifraga macropetala) (BURMANN 1954, 1977).

 

Quelle:

BURMANN, K., 1954: Gelechia dzieduszyckii Now. nov. subspec. fusca (Lepidoptera, Gelechiidae). - Z. Wiener Entomol. Ges., 39/65(10), pp. 345-351.

BURMANN, K., 1977: Gelechiiden aus Gebirgslagen Nordtirols (Österreich). - Ber. nat.-med. Ver. Innsbruck, 64, pp. 133-146.

FLEISCHMANN-NIEDERBACHER, I., und NIEDERBACHER, P. 1987: Der geologische Aufbau des Muttekopfgebietes. - Unveröff. Ms., 9 pp.

MUNGENAST, F., 1987: Zur Pflanzenwelt des Muttekopfgebietes. - Unveröff. Ms., 2 pp.

MUNGENAST, F., 1988: Zur Geologie der Lechtaler Alpen südlich von Imst. - In: BLÜMEL, D.: Kletterführer Lechtaler Alpen - Muttekopfgruppe, Heiterwandgruppe, Eigenverlag, Imst, pp. 23- 35.

NIEDERBACHER, P., 1982: Geologisch-tektonische Untersuchungen in den südöstlichen Lechtaler Alpen (Nördliche Kalkalpen, Tirol). - Geol. Paläontolog. Mitt. Innsbruck, 12(7), pp. 123-154.

WOPFNER, H., 1954: Neue Beiträge zur Geologie der Gosauschichten des Muttekopf-Gebietes (Tirol). - N.Jahrb. Geol. Paläont. Abh. Stuttgart, 100, pp. 11-82.

Erläuternde Bemerkungen zum Verordnungsentwurf (Abt. Umweltschutz U 112, Amt der Tiroler Landesregierung)