Naturschutzgebiete »Tschirgant-Bergsturz

 

 

Das Naturschutzgebiet dient der Erhaltung der besonderen Standortbedingungen der Tier- und Pflanzenwelt des Tschirganter Bergsturzes, die als Folge eines vor ca. 3.000 Jahren erfolgten Felssturzes entstanden sind.

Kurzsteckbrief:

Fläche: 342,5 ha

Standort: Imst 

Naturschutzgebiet seit 2008

Lage:

Das Naturschutzgebiet Tschirgant ist ein 2370 m ü. A. hoher Berg bei Imst in Tirol und liegt in den Gemeinden Haiming, Roppen und Sautens. Der Tschirgant ist der Hauptgipfel des gleichnamigen Massivs, das vom Tschirgant im Südwesten zum 2096 m hohen Simmering im Nordosten verläuft. Es liegt zwischen dem Gurgltal im Norden und dem Oberinntal im Süden.

 

Landschaftsausstattung:

Die schützenswerten Standortbedingungen sind vor allem charakterisiert durch die klimatischen, geomorphologischen und geologischen Bedingungen, die einen ausgedehnten und noch weitgehend zusammenhängenden lichten Kiefernwald am Talboden des Ötztalausganges, im Zusammenwirken mit Waldrandbereichen und extensiven Wiesen, formten.

Pflanzensoziologisch ist das Gebiet durch eine Reihe an natürlichen und naturnahen Einheiten charakterisiert, welche in ihrer Gesamtheit ein eindrucksvolles Mosaik verschiedenster Strukturen aufbauen. Der überwiegende Teil der betroffenen Fläche besteht aus Erika-Kiefernwälder, welche eher warme und trockene Standorte bevorzugen; diese verfügen über eine Reihe geschützter (lt. Tiroler Naturschutzverordnung) und gefährdeter (lt. Rote Listen) Pflanzenarten. Markant dabei ist neben dem Orchideenreichtum, der hohe Anteil an subalpinen Arten. Neben dem Auftreten von Moosschichten und deren Artenvielfalt, verfügt der Tschirgant-Bergsturz über heiße, südexponierte sowie ebene, mit kleineren Felsen durchsetzte Flächen, welche vom Seiden-Backenklee besiedelt werden. 

Neben den vorhandenen Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräumen ist vor allem die noch vorhandene Großflächigkeit des Waldgebietes im Areal des Tschirganter Felssturzes als hervorstechendes Merkmal anzusehen. Talwälder dieser Größenordnung sind für das Inntal einzigartig und bedürfen v.a. wegen unterschiedlicher Nutzungsinteressen eines besonderen Schutzes.

 

Fauna:

Nach der FFH-Richtlinie sind im Gebiet des Tschirgant-Bergsturzes besonders die Zauneidechse und die Schlingnatter unter Schutz zu stellen. 

Das Gebiet hat außerdem eine hohe vogelkundliche Bedeutung. So wurden auf einem Teilgebiet des Bergsturzareals 64 Vogelarten festgestellt. Davon wurden 35 Arten als Brutvögel, 14 als mögliche und die restlichen 12 als Durchzügler bzw. Nahrungsgäste eingestuft. 23 der 64 Vogelarten sind in der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Tirols geführt. Es wurden außerdem eine Reihe von Vogelarten nachgewiesen, die in der EU-Vogelschutzrichtlinie angeführt sind oder/und für die in Tirol nur wenige Nachweise bzw. Brutvorkommen vorliegen (z.B. Wespenbussard, Baumfalke, Uhu, Eisvogel, Wendehals, Schwarzspechte, Grauspecht, Kleinspecht).

 

Besonderheiten:

Der Tschirganter Bergsturz ist nicht nur in Tirol, sondern innerhalb der gesamten Alpen ein einzigartiges geologisches Ereignis. Das Naturschutzgebiet repräsentiert aufgrund der standörtlichen Besonderheit mit seinem verzahnten Mosaik aus verschiedensten Struktur- und Vegetationseinheiten in einem ausgedehnten zusammenhängenden Raum einen Biotoptyp weit über die Landesgrenzen hinaus. 

 

 

Quelle:

AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG (2008): Verordnung der Landesregierung über die Erklärung des Tschirganter Bergsturzes zum Naturschutzgebiet (Naturschutzgebiet Tschirgant). Abteilung Umweltschutz, Innsbruck.