Naturschutzgebiete » Söller Wiesen

Feuchtgebiete zählen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Mitteleuropa - die Söller Wiesen zählen zu den letzten Resten dieser wertvollen Lebensräume. 

Kurzsteckbrief:

Fläche: 44 ha (Kernzone: 24 ha)

Standort: Kundl (Kufstein)

Naturschutzgebiet seit 2005

Lage:

Die Söller Wiesen ist eine Riedwiesenlandschaft im Tiroler Unterinntal bei Kundl und zählt zu den letzten Resten einst ausgedehnter Feuchtgebietsbereiche im Talboden des Inntals. Es liegt auf einer Seehöhe von etwa 500 m im Talboden zwischen der Bahnstrecke im Norden und der Bundesstraße im Süden. Ursprünglich hatte der eigentliche Biotop ein Flächenausmaß von ca. 7 ha und wurde durch den Bau der Bundesstraße im Jahr 1955 in einen südlichen und nördlichen Teil getrennt. Um eine gänzliche Zerstörung des bedeutenden Lebensraums zu verhindern, wurden im Jahr 2005 etwa 44 ha der Söller Wiesen unter Naturschutz gestellt. Davon sind rund 24 ha – überwiegend in der Westhälfte des Gebietes – als Kernzone eingestuft, der Rest gilt als Pufferzone.

 

Landschaftsausstattung:

Das Schutzgebiet wurde wegen des Vorkommens zahlreicher seltener und von der Ausrottung bedrohter Pflanzen- und Tierarten sowie wegen der Seltenheit der Biotopkomplexe und ihrer besonderen Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Söller Wiesen wird geprägt von einem Mosaik aus einschürigen Riedgraswiesen, mehrschürigen Fettwiesen, Hochstaudenbeständen, Schilfbeständen und großseggenbesetzten Gräben. Feldgehölze und Heckreihen - bestehend u.a. aus Eichen, Traubenkirschen, Weiden, Fichten - erhöhen zusätzlich die Diversität und bereichern das Landschaftsbild. Das gesamte Gebiet weist auf Grund relativ starker vertikaler Gliederung, in Form von Bodenrücken und flachen Mulden, einen unterschiedlich hohen Wasserstand auf.

 

Fauna:

Die Söller Wiesen dienen besonders für Schmetterlinge, Heuschrecken und Libellen als geeigneter Lebensraum:

 

  • Im Laufe von Erhebungen konnten 202 Schmetterlingsarten (283 inkl. historischer Funde) nachgewiesen werden. Das Artenspektrum umfasst 45 Tagfalter- und 238 Nachtfalterarten, die sich auf 34 Familien verteilen. Unter den 66 Rote Listen-Arten des Gebietes gilt eine Schmetterlingsart (A. sheperdana) sogar als vom Aussterben bedroht. Außerdem sind eine Reihe von stenotopen Feuchtgebietsbewohnern (z.B. Mädesüß-Perlmuttfalter, Ried-Grasmotteneulchen) in starken Populationen in den Streuwiesen vertreten.  
  • Aus heuschreckenkundlicher Sicht stellen die Söller Wiesen einen sehr wertvollen und mit 16 registrierten Arten (z.B. Sumpfschrecke, Sumpfgrashüpfer, Lauchschrecke) auch artenreichen Lebensraum dar. Insgesamt sind sechs der 16 im Gebiet festgestellten Heuschreckenarten in der Roten Liste der Heuschrecken Tirols vertreten (vom Aussterben bedroht: Sumpfgrille).
  • Von den 18 festgestellten Libellenarten im Naturschutzgebiet kann vor allem die in Tirol als stark gefährdet eingestufte Sumpf-Heidelibelle auf Grund ihres zahlreichen Auftretens als die Charakterart unter den Libellen der Söller Wiesen bezeichnet werden.

 

Besonderheiten:

Die Söller Wiesen sind trotz zahlreicher in der Vergangenheit erfahrener Beeinträchtigungen immer noch ein wertvolles und überaus schützenswertes Feuchtgebiet. Zudem präsentiert das Gebiet mit seinen noch intakten Streuwiesen und artenreichen Gehölzbeständen einen Rest alter Kulturlandschaft im ansonsten stark ausgeräumten und intensivierten Talboden des Inntals.

 

 

Quelle:

ORTNER, A. & LECHNER, K. (2017): Entomofaunistische Erfassung des Naturschutzgebietes Söller Wiesen anhand der Indikatorgruppen Schmetterlinge (Lepidoptera), Heuschrecken (Othoptera) und Libellen (Odonata). Stans, 3 p.