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Rosengarten

Lage:

Das Naturschutzgebiet Rosengarten liegt auf einer westexponierten glazialen Schotterterrasse südwestlich von Innsbruck am Eingang zum Wipptal. Es stellt eine alte Kulturlandschaft dar, die auch heute noch land- und forstwirtschaftlich genutzt wird.

Kurzsteckbrief:

Größe: 62,5 ha, Seehöhe: 950-1.045 m
unter Schutz seit 1942
Neuverordnung 1989
liegt im Gebiet der Landeshauptstadt Innsbruck und der Gemeinde Patsch, Bezirke Innsbruck-Stadt und Innsbruck-Land

Landschaftsausstattung:

Kleinflächige Mähder, Weiden, Äcker und Waldstücke werden durch Hecken, Feldgehölze und Geländekanten begrenzt. Größere und kleinere felsige Stufen und viele Hügel lockern das ganze Gebiet auf, das dadurch einen besonderen landschaftlichen Reiz erhält. 

Im Osten schließt das Schutzgebiet einen bewaldeten Hügelrücken ein.

Der Rosengarten ist eine für Tirol typische traditionelle Kulturlandschaft und wird auch heute noch land- und forstwirtschaftlich genutzt.

 

Erreichbarkeit:

Das Schutzgebiet ist durch mehrere nord-süd-orientierte Spazier- und Feldwege entlang der Terrassenstufen gut erschlossen, die von Patsch oder vom Grünwalder Hof ausgehen. Das Naturschutzgebiet Rosengarten gehört zu den Naherholungsgebieten im Einzugsbereich von Innsbruck.

 

Flora und Fauna:

Das Naturschutzgebiet Rosengarten stellt einen wichtigen Refugialraum für Pflanzenarten der traditionellen alpinen Kulturlandschaft dar. Durch die mosaikartige Strukturierung und die eingestreuten Magerstandorte an den Böschungen ist es ein hochwertiges Landschaftselement. Eine zusätzliche ökologisch wichtige Funktion hat das stark gegliederte Gebiet als Rastplatz für durchziehende Vögel.

Von GAMS (1936) wurden eine Reihe von bemerkenswerten Pflanzen gefunden, die z.T. jetzt noch im Gebiet vorkommen und teilweise als gefährdete Arten gelten:

  • Crocus-Arten
  • Enzian-Arten (Gentiana spp.)
  • Graslilien (Anthericum liliago)
  • Nelkenwurz (Geum sp.)
  • Schwalbenwurz (Vinxetoxicum hirundinaria)
  • Steppengräser

Die Gehölze und Baumgruppen (hauptsächlich Birken, Weide, Hasel, Traubenkirsche, Vogelkirsche, Faulbaum, Weißdorn, etc.) sowie die einzeln stehenden Bäume, die im Bereich des ganzen Naturschutzgebietes stehen, zeigen eine große pflanzliche Artenvielfalt. 

Im südöstlichen Bereich des Rosengartens liegen kleine Tümpel als Rest eines Feuchtgebietes mit z.T. geschützten Pflanzenarten. 

Der Hügelrücken wird von einem artenreichen Mischwald bestanden. Dieser enthält neben Fichten vor allem Kiefern, Birken und Lärchen, im südlichen Teil auch Eschen sowie mehrere Arten von Buschgehölzen (vorwiegend Hasel, Vogelkirsche, Traubenkirsche, Weißdorn). Diese artenreichen Mischwälder stellen Reste der zum Teil in wärmeren Perioden über den Brenner eingewanderten Waldsteppenvegetation dar und beherbergen, besonders in den Bereichen der trockenen Kiefernheiden den Heiderich und im Bereich der Quellmoore die Mehlprimel (GAMS 1936). 

Bemerkenswert ist das Vorkommen der Zirbe (Pinus cembra) am nordöstlichen Steilhang, der als tiefster natürlicher Standort der Zirbe in Nordtirol gilt.

Im Bereich des Waldes am Hügelrücken ist die Haselmaus besonders häufig. Hier leben außerdem viele sonst selten gewordene und z.T. gefährdete Vogelarten:

  • Sperlingskauz (Glaucidium passerinum)
  • Rauhfußkauz (Aegolius funereus)
  • Grünspecht (Picus viridis)
  • Schwarzspecht (Dryocopus martius)

Der Fichtenwald beherbergt u.a.:

  • Stieglitz (Carduelis carduelis)
  • Haselhuhn (Bonasa bonasia)

Im freien Bereich des Gebietes mit seinen Feldgehölzen kommen u.a. vor:

  • Neuntöter (Lanius collurio)
  • Goldammer (Emberiza citrinella)
  • Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
  • Wendehals (Jynx torquilla)
  • Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)
  • Baumpiper (Anthus trivialis)
  • Feldlerche (Alauda arvensis)
  • Heidelerche (Lullula arborea)
  • Wachtelkönig (Grex grex)

 

 

Im Gebiet des Rosengartens sind auch einige seltene Arten von Wirbellosen gefunden worden, die als "Wärmeinselanzeiger" (SCHEDL 1973, 1978) gelten:

  • Bergsingzikade (Cicadetta montana, die einzige echte Singzikade Nordtirols)
  • Pflanzenwespe (Xyelatana longula)
  • Bockkäfer-Arten (Anaglyptus mysticus, Pogonocherus hispidulus, Tetrops starki)

 

 

Im Naturschutzgebiet Rosengarten finden auch geführte Nature-Watch-Wanderungen ausgehend vom Hotel Grünwalderhof statt: 

Nähere Informationen zum Thema Nature Watch im Naturschutzgebiet finden Sie auch unter:

Quellen:

GAMS, H. (1936): Tiroler Naturschutzgebiete. 2. Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete am Patscherkofel.- Tiroler Heimatblätter, 14(12): 395-400.

LANDMANN, A. (1991): Die Vogelwelt des Naturschutzgebietes Rosengarten. - Bericht i.A. des Amtes der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz.

SCHEDL, W. (1973): Zur Verbreitung, Bionomie und Ökologie der Singzikaden (Homoptera: Auchenorrhyncha, Cicadidae) der Ostalpen und ihrer benachbarten Gebiete. - Ber. naturw.-med. Ver. Innsbruck, 60: 79-94.

SCHEDL, W. (1978): Die Xyelidae Europas (Insecta: Hymenoptera, Symphyta, Xyeloidea). - Ber. naturw.-med. Ver. Innsbruck, 65: 97-115.

THALER, E. (1983): Stellungnahme zum Naturschutzgebiet Rosengarten. (Akt bei der Abt. Umweltschutz). Erläuternde Bemerkungen zum Verordnungsentwurf (Abt. Umweltschutz)