Naturschutzgebiete »Kufsteiner und Langkampfener Innauen

Das Naturschutzgebiet „Kufsteiner und Langkampfener Innauen“ ist eines der wichtigsten Augebiete am Inn. Die Unterschutzstellung und die damit verbundene dauerhafte Rückgewinnung (halb)natürlicher Retentionsräume in diesem Bereich sind die Grundpfeiler für naturräumliche Verbesserungsmaßnahmen und dienen als integrale Schutzmaßnahmen vor Naturgefahren (z.B. Hochwasser).

Kurzsteckbrief:

Fläche: 17,6 ha

Standort: Kufstein, Langkampfen 

Naturschutzgebiet seit 1972

Lage:

Im Jahr 1972 wurden die Auwälder, das Ufergebüsch und die Anlandungen des Inns im Raum der Kufsteiner und Langkampfener Innauen aufgrund bedeutsamer Nist-, Brut-, und Aufenthaltsorte heimischer und seltener durchziehender Vogelarten mit einer Fläche von 17,6 ha zum Naturschutzgebiet erklärt (Tiroler Schutzgesetz 1974). 

 

Landschaftsausstattung:

Das Naturschutzgebiet „Kufsteiner und Langkampfener Innauen“ umfasst halbnatürliche bis naturnahe auwaldähnliche Gehölzstreifen entlang des Innufers mit Weichholz-Augebüschen, Auwäldern und Pionier-Pflanzengesellschaften. Die Innauwälder stocken größtenteils auf Flussanschwemmungen, die Böden sind meist sandige Schwemmböden bzw. Rohauböden. Im amphibischen Uferbereich, welcher dem Augehölz vorgelagert ist, sind kleinflächig verschiedene Pionier-Pflanzengesellschaften entwickelt, wie z.B. Schilfröhrichte, Uferreitgrasfluren, Rohrglanzgrasröhrichte und Kriechstrauß-Gesellschaften. Neben diesen krautigen Pioniergesellschaften sind im Naturschutzgebiet Weichholz-Augebüsche und Auwälder vertreten. Sie werden in der Baum- und Strauchschicht vornehmlich durch Weidenarten gebildet. Vorherrschend in der Baumschicht sind Silber-Weide, Bruch-Weide, Grau-Erle und Schwarzpappel. 

Bei diesen flussnahen Waldstandorten am Inn handelt es sich um erhaltenswerte Restbestände eines ehemaligen weitläufigen Auenkomplexes, in dem geschützte bzw. teilweise geschützte Pflanzen 

(z.B. Stendelwurz, gewöhnliche Akelei) und gefährdete Pflanzenarten (z.B. Knick-Fuchsschwanzgras, Korb-Weide, Moschus-Käsepappel, Schwarzpappel und Schwarzerle) vorkommen.

 

Fauna:

Das Ufergebüsch sowie die Sand- und Kiesbänke bieten mit deren Pflanzenarten- und Strukturreichtum ein günstiges Brut- bzw. Rastgebiet auch für durchziehende Vögel. Der Nachweis vieler und teilweise seltener Zugvogelarten in diesem Gebiet (z.B. Haubentaucher, Zwergtaucher, Purpurreiher, Saatgans, Schellente, Spießente, Pfeifente, Zwergsäger, Fischadler, Rotfußfalke, Teichhuhn, Kiebitz, Bekassine, Watvögel, Eisvogel, Dorngrasmücke, Schilfrohrsänger, Fitis, Rohrammer) ist seit längerer Zeit bekannt und zeigt die Bedeutung des Gebietes. 

  

Entwicklung des Naturschutzgebietes nach anthropogenem Eingriff:

 Während in den 90er Jahren durch die Errichtung des Innkraftwerkes Langkampfen und der damit zusammenhängenden Unterwassereintiefung des Inns vor allem die Ufergebüsche und Auengehölze als Brutraum stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, konnten in weiterer Folge die Ausgleichmaßnahmen (Umgehungsgerinne) ihre Wirkung entfalten und neuen Lebensraum für Arten wie den Biber bieten. Vor allem die Einwanderung der Biber und deren „biotopgestaltende“ Wirkung führte zu einer Wiedervernässung der linksufrigen Auwälder und zu einer Auflichtung der Waldbestände. Dadurch wurde eine „sekundäre“ Biotopdynamik, die einem Hochwassereinfluss ähnlich ist, in Gang gesetzt. Die aktuelle Situation der Auwaldbereiche im Naturschutzgebiet ist daher als recht naturnah anzusehen - dies zeigt sich durch die große Zahl an auwaldtypischen Brutvögeln (z.B. Kleinspecht und Gelbspötter), die das Gebiet aktuell besiedeln.

 

Besonderheiten:

Im Nahebereich des Naturschutzgebietes befindet sich das Naturdenkmal „Lurchweiher“. Dabei handelt es sich um einen Auenweiher, der das ganze Jahr über Wasser führt mit besonderer Bedeutung als Lebensraum für Amphibien. Durch den charakteristischen Pflanzenwuchs bildet dieses Gebiet ein Biotop, welches von besonderer Eigenart und Seltenheit ist und verleiht dem Landschaftsbild dadurch ein besonderes Gepräge. Der Lurchweiher bildet zusammen mit den Auwaldstandorten und Strauchenweidengesellschaften, sowie dem Inn und seinen Uferbereichen im Naturschutzgebiet Kufsteiner und Langkampfener Innauen einen vielfältigen Auenkomplex, der beispielhaft unterschiedliche Auenlebensräume des Unterinntales repräsentiert. 

 

 

Quelle:

KAINZ, J. (1971): Amtsblatt der Behörden für Ämter u. Gerichte Tirols. In: Amt der Tiroler Landesregierung, Hrsg. Bote für Tirol vom 28.05.1971. Rum: rauchdruck Dr. Rudolf Erhard.

AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG (2016): Erläuternde Bemerkungen zur Verordnung über die Erklärung von Teilen der Kufsteiner und Langkampfener Innauen zum Naturschutzgebiet (Naturschutzgebiet Kufsteiner und Langkampfener Innauen). Innsbruck.