Naturschutzgebiete » Fließer Sonnenhänge

 

 

Auf Grund der besonderen Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und des Vorkommens seltener, von der Ausrottung bedrohter Tier- und Pflanzenarten wurden die Fließer Sonnenhänge zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Trockenrasengesellschaft stellt aufgrund der einzigartigen Steppenvegetation, mit seltenen wärmebedürftigen Arten, eine botanische Besonderheit dar.

Kurzsteckbrief:

Fläche: 118,7 ha

Standort: Fließ (Landeck) 

Naturschutzgebiet seit 2001

Natura 2000 Gebiet seit 2004

Lage:

Die steilen Trockenhänge, in einem etwa 8 km langen schmalen Gürtel entlang des Inns zwischen dem Ortsteil Eichholz (westlich von Fließ) und der Pontlatzer Brücke, bilden eine Landschaft mit Trockenrasen und Buschwerk. Die Gemeinde Fließ ist Teil des Naturparks Kaunergrat und somit sehr gut geeignet für Wanderungen, Spaziergänge und Bergtouren. Im April 2004 wurden die Fließer Sonnenhänge als Natura 2000 Gebiet an die Europäische Kommission nachgemeldet (nach der Habitat-Richtlinie). 

 

Landschaftsausstattung:

Im trockenwarmen obersten Inntal sind an einzelnen Stellen charakteristische Buschgesellschaften vorzufinden, wie sie auch aus anderen zentralalpinen Tälern mit trockenwarmen Klima bekannt sind. Die Klimaxvegetation auf den Sonnenseiten solcher Tallandschaften ist ein Kiefernwald mit einer Begleitflora, die aus zahlreichen wärmebedürftigen Arten besteht. An den Fließer Hängen wurde  dieser Kiefernwald jedoch vor langem abgeholzt und wird seither als Weide genutzt. Diese anthropogene, naturnahe Vegetation reicht von typischen Ruderalgesellschaften über Trockenrasen bis zu Heckengestrüppen, deren eigentümlicher Charakter durch die zusammengeschichteten Steinmauern noch unterstrichen wird. 

 

Flora:

Speziell die auf dem Landecker Quarz-Phyllit stockenden, blumenreichen Trockenrasengesellschaften, deren Fortsetzung weit ins Unterengadin (Schweiz) hineinreicht, stellen eine botanische Besonderheit Tirols dar.  Diese Trockenrasen enthalten u.a. Esparsetten-Tragant, Sternhaariges Frühlings-Fingerkraut, Rispenflockenblume, Steppen-Schillergras, Wermutkraut, Feld-Beifuß, Hügel-Meier und andere wärmebedürftige Pflanzen. Ein häufiger Begleiter der Trockenrasen ist der Sanddorn, der immer wieder zu dichten Gestrüppen zusammentritt. Der typische Heckenverein ist aber ein rosenreicher Berberitzen-Busch, der mehrere seltene Rosenarten beherbergt. Begleitende Kräuterarten sind zu einem Großteil Hochstauden (z.B. Steife Rauke); auf aufgelassenen Äckern, Hanganrissen und dergleichen stockt als Pioniervegetation eine Quecken-Wermutflur mit reichlich Artemisien (z.B. Wermut, Beifuß).  

  

Fauna:

Aufgrund des kontinentalen Klimas, mit großer Trockenheit und hohen Sommertemperaturen, sowie der einzigartigen Vegetation in Fließ kommt eine außerordentliche Vielfalt der Insektenwelt mit zahlreichen tiergeographisch äußerst bemerkenswerten Arten vor.

Von den bis 1976 in Nordtirol registrierten 1138 Großschmetterlingsarten konnten 830 in Fließ nachgewiesen werden, das sind ca. ¾ aller aus Nordtirol gemeldeten Arten. Zusammen mit den Kleinschmetterlingen wurden bisher in Fließ über 1200 Schmetterlingsarten gefunden. Sieben Arten haben hier ihr einziges Vorkommen in Österreich, zwei in ganz Mitteleuropa.

 

 

Quellen:

AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG:  Fließer Sonnenhänge. Verfügbar in: www.tirol.gv.at/landeck/fliesser-sonnenhaenge/ [Abfrage am 21. Juli 2017]

INSTITUT FÜR BOTANISCHE SYSTEMATIK UND GEOBOTANIK (1978): Zur Vegetation der Trockenhänge um Fließ. Universität Innsbruck. 

AMT DER TIROLER LANDESREGIERUNG:  Natura 2000 Tirol. Verfügbar in: www.tirol.gv.at/umwelt/naturschutz/natura2000-tirol/ [Abfrage am 21. Juli 2017]

N.N. (1978): Unterschutzstellung der Steppenhänge in Fließ, Gutachten der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Tiroler Landesmuseum. Innsbruck.