Natura-2000-Gebiet

 „Brutgebiete des Ortolans in den Gemeinden Silz,
Haiming und Stams“

Die Felder zwischen den Orten Stams, Silz und Haiming sind ein wichtiger Lebensraum für bodenbrütende Vogelarten in Tirol. Dazu gehören Feldlerche, Wachtel, Braun- und Schwarzkehlchen und vor allem der Ortolan, ein etwa spatzengroßen Singvogel, der hier sein letztes Brutgebiet in Österreich hat. Um dieses Vorkommen besser schützen zu können, wurde 2004 ein „Natura-2000-Gebiet“ (europäisches Vogelschutzgebiet) ausgewiesen. Die Art der Bewirtschaftung ist für den Erhalt des Lebensraumes entscheidend.

Lage & Größe:

Liegt im Gebiet der Gemeinden Silz, Haiming und Stams.

379 ha

Seehöhe: ca. 650 m 

unter Schutz seit 2004

Der Ortolan im Jahreslauf

Wenn die Ortolane Anfang Mai in Tirol eintreffen, dann haben sie eine ca. 5000 km lange Reise aus ihrem Winterquartier in Afrika hinter sich. Sobald sich ab Mitte Mai Paare gebildet haben, beginnen die Weibchen in Getreide- oder Kartoffeläckern mit dem Nestbau. Aus den meist 4-5 Eiern schlüpfen ab Mitte Juni die Jungen. Jetzt werden sie ca. 2 Wochen von den Eltern gefüttert bis sie flügge sind. Dabei benötigen die Jungen tierische Nahrung (z.B. Heuschrecken, Schmetterlingsraupen), die die Altvögel z.B. auf Wiesen oder Wegrändern finden. Nach der Brutzeit ab Mitte Juli machen die Ortolane einen Gefiederwechsel (Mauser) durch und halten sich dabei oft versteckt in Kartoffel- oder Maisäckern auf. Bevor sie dann im September wegziehen, fressen sie sich noch einen Fettvorrat an. Getreidekörner auf den abgeernteten Äckern sind dabei eine wichtige Nahrungsquelle.

 

Lebensraum aus Bauernhand

Während Ortolane in Südeuropa häufig auf trockenen Hängen mit steppenartiger Vegetation vorkommen, sind sie in Mitteleuropa fast nur in Ackerbaugebieten anzutreffen. Typisch für dieses Tiroler Vorkommensgebiet sind die relativ schmalen Felder und die Fruchtfolgebewirtschaftung. Das heißt, dass jährlich die angebaute Feldfrucht (z.B. Getreide, Kartoffel, Mais, Luzerne) gewechselt wird, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Dieses kleinflächige Mosaik verschiedener Ackerflächen und Wiesen schafft einen idealen Lebensraum. Landwirtschaftliche Förderungen bieten einen Anreiz für die Bauern, die Felder so zu bewirtschaften, dass der Ortolan und die anderen bodenbrütenden Vogelarten geeignete Flächen zum Nestbau und zur Nahrungssuche vorfinden.

 

 

„Tiroler Dialekt“ beim Ortolan

Als einer von wenigen Singvögeln bildet der Ortolan je nach Region verschiedene Gesangsdialekte aus. Das ist dadurch zu erklären, dass die einzelnen Brutgebiete in Europa oft einige hundert Kilometer voneinander entfernt sind. So befinden sich die nächsten Vorkommen im Schweizer Wallis, in Nordbayern oder dem Südtiroler Vinschgau. Die Tiroler Ortolane beherrschen meist zwei verschiedene Gesangsstrophen, die sie abwechselnd vortragen und mit „zia zia zia zia“ oder „dü dü dü dü dü dü dü“ beschrieben werden können. Damit der Gesang weithin hörbar ist, tragen ihn die Männchen meist von erhöhten Strukturen wie Stadeln, Bäumen oder Stromleitungen aus vor. Der Gesang dient dem Anlocken von Weibchen und signalisiert anderen Männchen, dass ein Revier besetzt ist.

 

Quellen:

DANZL, A. & R. LENTNER (2009): Ökologie einer isolierten Ortolan-Population im Tiroler Inntal – Österreich. In: BERNARDY (2009): Ökologie und Schutz des Ortolans (Emberiza hortulana) in Europa – IV. Internationales Ortolan-Symposium. Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Heft 45: 50 – 56. Hannover.

 

DANZL, A. (2007): Managementplan für das Natura 2000 Gebiet „Ortolan-Vorkommen Silz – Haiming – Stams“. Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus Untersuchungen in den Jahren 2005 und 2006. Im Auftrag des Amtes der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz, Innsbruck. 132 pp.