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Patscherkofel-Zirmberg

Das Landschaftsschutzgebiet Patscherkofel-Zirmberg gehört zu den Tuxer Voralpen und liegt unmittelbar südlich von Innsbruck am Eingang des Wipptals. Der Patscherkofel und die sich nach Osten fortsetzende Höhenkette bieten gute Ausblicke sowohl nach Norden über das Inntal und zur Nordkette, als auch nach Süden in die Zentralalpen.

Kurzsteckbrief:

Fläche: 15,88 km²

Standort: Aldrans, Ellbögen, Lans, Patsch, Rinn, Sistrans (Innsbruck-Land)

Seehöhe: 1.550 - 2.745 m

Naturschutzgebiet Zirmberg seit 1942

Naturschutzgebiet Patscherkofel seit 1947

Landschaftsschutzgebiet (Neuverordnung) seit 2005

 

Landschaftsausstattung: 

Markante Gipfel des Schutzgebietes sind: namensgebend der Patscherkofel (2.246 m) selbst, die Viggarspitze (2.306 m), die Neunerspitze (2.285 m) der  Glungezer (2.677 m), die Kreuzspitze (2.746 m) und der Morgenkogel (2.607). 

Der Nordabhang des Schutzgebietes senkt sich eher sanft zum Inntal, während die Südseite mit steilen bewaldeten Hängen zum Viggartal abfällt. Das Gipfelmassiv des Patscherkofels ist mit seiner waldfreien Kuppe weithin sichtbar und demonstriert in exemplarischer Weise die alpine Waldgrenze.

Der "Zirmberg", ein alter Name für das ganze, von dichten Zirbenwäldern bestandene Patscherkofel-Glungezer-Gebiet, wurde bereits 1942 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Neben den ausgedehnten Zirbenurwäldern, großen Latschenbeständen und Blockschuttfeldern weist dieses Gebiet eine sehr ursprüngliche Hochgebirgslandschaft mit Felstürmen und voreiszeitlichen Talresten auf.

Der Untergrund des Schutzgebietes besteht aus Quarzphyllit, der im Gipfelbereich von Glimmerschiefer und Gneisen abgelöst wird, die häufig Granat und Staurolith enthalten. 

Bis über 2.150 m (bis über den Felskopf der Roten Wand) reichte der eiszeitliche Inngletscher, aus dem nur wenige Felskuppen und Grate, von den Mohrenköpfen über die Viggarspitze, Neuner- und Sonnenspitze und dem Glungezer bis zum Rosenjoch herausragten. Man erkennt dies deutlich an Turmformen mit schroffen Scharten und Überhängen sowie an der besonders reichen Lebewelt mit arktisch-hochalpinen Moosen und Flechten.

 

Erreichbarkeit:

Das Landschaftsschutzgebiet kann man bequem von Igls mit der Patscherkofelbahn, sowie von Tulfes mit der Glungezerbahn erreichen. Von dort führen mehrere Wanderwege in und durch das Schutzgebiet. 

Zu Fuß gelangt man von Ellbögen, Patsch, Igls, Sistrans oder Rinn sowie über das Meißner Haus, die Hochmahdalm, Igler Alm, Lanser Alm und Sistranser Alm in das Schutzgebiet. 

Der berühmte Zirbenweg verläuft von der Patscherkofelbahn-Bergstation an der alpinen Baumgrenze nach Osten bis unter den Glungezer.

 

Gasthäuser, bewirtschaftete Almen und Berghütten:

Im Schutzgebiet: 

Am Rand, knapp außerhalb des Schutzgebietes: 

 

Flora und Fauna:

Das Landschaftsschutzgebiet Patscherkofel-Zirmberg umfasst vorwiegend alpine Rasen- und Schuttflächen sowie ausgedehnte Zirbenbestände. 

Hervorzuheben sind die Gipfelregionen mit Resten voreiszeitlicher Talsysteme und den wilden Gneisgraten, an welchen zahlreiche Pflanzenarten mindestens die letzte Eiszeit überdauern konnten. 

Dadurch zeichnet sich dieses Gebiet durch das Vorkommen von seltenen und repräsentativen Pflanzengesellschaften aus. Hier ist insbesondere die tundrenähnliche Vegetation der alpinen Rasengesellschaften, die kleinflächigen Niedermoore, sowie die in hoher Ursprünglichkeit vorhandenen Waldgesellschaften, insbesondere die Zirbenwälder zu erwähnen.

Die alpine Stufe bildet einen reich strukturierten Biotopkomplex mit alpinen Rasen, Schuttfluren, Windkantenvegetation, Schneeböden und Latschenbeständen. Inner- und außerhalb der Zirbenwälder liegen ausgedehnte Zwergstrauchheiden mit schönen Beständen der Rostroten Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) sowie Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum), Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), Zwergwacholder (Juniperus communis ssp. nana), Reitgras, Moosen und Flechten. Die Korallen-Rentierflechte (Cladonia alpestris) ist ein Anzeiger für längere Schneebedeckung. 

An den Südhängen herrschen Heidekraut und Preiselbeere vor. Die größte Farbenpracht zeigen diese Zwergstrauchheiden im Herbst, wenn sich das Laub rot färbt und die schwarzen und roten Beeren herausleuchten. 

Bedingt durch kalte Luftströme innerhalb der schattenseitigen Rinnen und Blockströme, reichen Fragmente hochalpiner Rasen (mit Carex curvula und Luzula spadizea, durchsetzt von Gemsheide, Loiseleuria procumbens und Besenheide, Calluna vulgaris) weit in die subalpine Stufe hinunter.

Eine Besonderheit stellt das Graumoos (Racomitrium lanuginosum) dar, welches mit dem Lebermoos (Herberta sendtneri) vergesellschaftet ist. Beide Arten haben mindestens die letzte Eiszeit an geschützten Orten über den Gletschern überdauert.

Die subalpine Waldregion besteht in tieferen Lagen aus Fichtenwald (Picea abies) mit Lärchen (Larix decidua), der nach oben hin einen zunehmenden Zirbenanteil (Pinus cembra) aufweist. 

Darüber schließt sich hoch-subalpiner Zirben-Lärchenwald an. 

Die Waldgrenze wird fast ausschließlich von Zirben (siehe Foto oben "Am Zirbenweg", Foto: M. Haupolter) gebildet. Charakteristisch für den Zirmberg sind die geschlossenen Zirbenhochwälder mit einzelnen über der Waldgrenze stehenden, durch Blitz und Sturm gezeichneten Wetterzirben, und weithin sichtbaren abgestorbenen Baumstämmen. Ausgedehnte Latschenbestände (Pinus mugo), umgeben von Blockschuttfedern, reichen bis in die Gipfelregion.

Am Südabhang des Patscherkofels findet man neben Lärchen-Fichtenwald in Steilabbrüchen und in Lawinenzügen Grünerlen (Alnus viridis) und Birken (Betula pendula). An schönen Tagen sonnen sich dort auf den großen Felsblöcken zahlreiche Kreuzottern (Vipera berus) sowie die lebendgebärende Bergeidechse (Lacerta vivipara).

 

Besonders bemerkenswerte Lebensgemeinschaften
und Lebensräume:

 

Zirbenwald entlang des Zirbenwegs:

Der Zirbenweg von der Bergstation der Patscherkofelbahn zur Tulfeinalm durchquert das Schutzgebiet der Länge nach ohne große Höhenunterschiede und führt durch uralte Zirbenbestände in wilden Blockhalden sowie durch ausgedehnte Latschenfelder. 

Die Zirbenwälder an den Nordhängen des Glungezers und des Patscherkofels mit hohen Totholzanteil wurden bereits vom berühmten Botaniker Prof. Gams als die "schönsten und besterhaltenen der Alpen" bezeichnet. An den oft bizarr geformten alten Wetterzirben hat sich ein interessanter Flechtenbewuchs gebildet, darunter die seltene Dunkelgelbe Wolfsflechte (Letharia vulpina) sowie viele weitere Bartflechten.

Niedermoor unterhalb des Grünbichls:

Unterhalb des Grünbichls besteht in einer Senke der Rest eines kleinflächigen Niedermoores (Braunseggensumpf) mit Torfmoos (Sphagnum sp.), Igel-Segge (Carex echinata), Fadenbinse (Juncus filiformis) und Wollgras (Eriophorum vaginatum). 

Jochtal:

Das Jochtal unterhalb von Boscheben zwischen Grünbichl und Isshütte bietet nicht nur wegen seiner Aussicht ins Inntal ein einzigartiges Naturerlebnis: Der Lärchen-Zirbenwald ist hier durch extensive Weidenutzung aufgelockert und weist einen reichhaltigen Unterwuchs von Zwergsträuchern auf. Alpenrosen-, Krummholz-, Blockhaldenbereiche sowie Moore vermitteln dem Beschauer das vielfältige Spektrum einer Alpenlandschaft.

Felsmulde bei Boscheben:

Östlich von Boscheben (2.035 m) führt der Zirbenweg an der Waldgrenze durch eine von grobblockigen flechtenreichen Silikatfelsen umgebene Mulde mit einzelnen Zirben, Latschen, Grünerlen, Krüppellärchen und Zwergsträuchern. Die Felsen sind mit verschiedenen arktisch-alpinen Flechten bewachsen, darunter häufig die Landkartenflechte (Rhizocarpon geographicum).

Ampasser Kessel:

Die Naturwaldzelle Ampasser Kessel liegt westlich der Hühnerwände, einem Vorbau der Viggarspitze, bzw. umgibt diese teilweise. Das Gebiet weist einen großen zusammenhängenden Zirbenbestand mit wenigen Lärchen und Fichten auf. Das Alter der Zirben reicht hier bis über 600 Jahre. Im Ampasser Kessel befindet sich auch der älteste Baum Tirols, eine über 700 Jahre alte Zirbe, welche 1926 als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Außerdem liegen gegen die Neunerspitze zu weite Latschenfelder über der Waldgrenze (Krummholzstufe).

Eiszeitliche Überformungen:

Charakteristische eiszeitliche Überformungen der gletschergeschliffenen tieferen Lagen heben sich im ganzen Schutzgebiet von den schroffen Gebirgsformen mit Türmen und Blockgipfeln ab und zeigen in anschaulicher Weise, welchen Einfluss die Eiszeiten auf die Landschaftsformen der Alpen ausgeübt haben.

Das Viggartal:

Im Jahr 2005 wurde das Landschaftsschutzgebiet Patscherkofel-Zirmberg um das Viggartal mit den Blauen Seen erweitert. Dieses weitgehend unerschlossene Tal erstreckt sich vom Morgenkogel über die Kreuzspitze bis zum Gipfel des Glungezers. Der Weg zum Geschriebenen Stein und anschließend hinauf zu den ganz versteckt liegenden Blauen Seen lohnt sich für jeden naturverbundenen Wanderer.

(Allfällige Wegsperren wegen Bergsturzgefahr im Viggartal sind zu beachten!)

 

Quellen:

Eine Liste wissenschaftlicher Arbeiten aus dem Bereich des Patscherkofels, insbesondere auch des IBP-Projektes "Zwergstrauchheide Patscherkofel", wird im Schutzgebietsinventar (KAPELARI 1997) angeführt.

KAPELARI, S. (1992): Naturschutzgebietinventar Patscherkofel - Zirmberg. - Im Auftrag der Abteilung Umweltschutz, Amt der Tiroler Landesregierung.

KAPELARI, S. (1997): Landschaftsschutzgebiet Patscherkofel - Zirmberg. Inventar. - Im Auftrag der Abteilung Umweltschutz, Amt der Tiroler Landesregierung.