Lage:

Das Landschaftsschutzgebiet Nösslachjoch - Obernberger See - Tribulaune hat Anteil am Gschnitztal (südliche Talseite) und umgibt das Obernberger Tal. Im Südosten grenzt es an das Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl.

Größe:

92 km², Seehöhe: 1200 - 3097 m (Pflerscher Tribulaun), unter Schutz seit 1984, liegt im Gebiet der Gemeinden Gries am Brenner, Gschnitz, Obernberg, Trins, Bezirk Innsbruck-Land.

Erreichbarkeit und Wege

In den nördlichen Teil des Landschaftsschutzgebietes führt eine Straße durch das Gschnitztal. Vom Tal aus führen mehrere Wanderwege zum Nößlach-, Egger- und Muttenjoch sowie durch das Sandesbachtal zur Gschnitzer Tribulaunhütte (2.064 m). Der zentrale und südliche Teil ist durch das Obernbergtal erreichbar. Von dort und vom Obernberger Tal führen Wanderwege zum Obernberger See, zu den Jöchern und Tribulaunen. 

 

Sanftes Silikat und schroffer Kalk

Zwei Bergkämme der charakteristischen sanften, grasigen Brennerberge sowie die schroffen Kalkfelsen der Tribulaune prägen das Schutzgebiet:

Im nördlichen Teil zieht sich der Grat vom Nösslachjoch oder dem Steinacher Jöchl (2.231 m) im Nordosten bis zum Kreuzjöchl (2.650 m) im Südwesten.

Die wichtigsten Gipfel sind: Leitnerberg (2.304 m), Rötenspitze (2.481 m), Am hohen Kreuz (2.485 m), Muttenkopf (2.638 m), Kreuzjöchl (2.650 m)

Im südlichen Teil erstreckt sich die Kette der Zentralalpen mit der Staatsgrenze vom Sattelberg (2.113 m) im Osten bis zum Grubenkopf (2.307 m) im Südwesten. 

Die wichtigsten Gipfel sind: Steinjoch (2.186 m), Kreuzjoch (2.242 m), Hoher Lorenzen (2.315 m), Geierskragen (2.309 m).

Am Talschluss des Obernbergtales befinden sich die imposanten Tribulaune: der Kleine Tribulaun (2.492 m) und der Obernberger Tribulaun (2.780 m) sind vom Obernberger See aus sichtbar, der Gschnitzer (2.946 m) und Pflerscher Tribulaun (3.097 m) liegen entlang der Staatsgrenze und sind vom Sandestal, erreichbar.

 

Zeugen der Eiszeit

 

Trinser Moränenwall und Krötenweiher

Der Trinser Moränenwall im Gschnitztal stammt aus einer Vorstoßphase der eiszeitlichen Gletscher. Die Eismassen hinterließen hier eine markante Endmoräne aus teilweise hausgroßen Felsblöcken, die sich vor etwa 16.000 Jahren in der heutigen Position stabilisierte. Seit 1975 ist der Moränenwall Geschützter Landschaftsteil. Dazu gehört auch das Naturdenkmal Krötenweiher - ebenfalls ein Zeugnis eiszeitlicher Tätigkeit. Ursprünglich ist dieses Becken aus einem Toteisloch hervor gegangen. So haben die eiszeitlichen Gletscher bei ihrem Rückzug an verschiedenen Stellen kleinere Eiskörper hinterlassen, die durch Schuttbedeckung vor dem Abschmelzen geschützt waren. Dieses Toteis, formte eine Mulde, in der sich über Jahrtausende zunächst ein bis zu acht Meter dickes Hochmoor bildete. Heute existiert nur noch ein Feuchtgebiet, das den bedeutendsten Laichplatz für Grasfrösche im Gschnitztal bildet. Hinter dem Trinser Moränenwall liegen die Quellmoore der äußeren und inneren Trinser Möser mit einem großen Artenreichtum an seltenen Pflanzen wie Knabenkraut und Kuckucks-Lichtnelke. Der gesamte Lebensraum bietet Rückzugsmöglichkeit für Amphibien. Gräben und Lohen (Quellbäche) dienen Fischen wie der Bachforelle und der Koppe als Laichplätze.

 

Jahrhunderte alte Kulturlandschaft

 

Die Lärchenwiesen

Eine Besonderheit der Region sind die weitläufigen Lärchenwiesen an den Südhängen des Obernbergtals – ihre Ausdehnung ist in Tirol einzigartig! In dieser alten Bewirtschaftungsform wird das Land sowohl für die Weide oder Heuproduktion, als auch zur Holzgewinnung genutzt. Unter den lichtdurchlässigen Lärchennadeln kann sich eine geschlossene Grasnarbe entwickeln. Hier findet man, durch das kleinräumig unterschiedliche Angebot an Licht und Schatten bedingt, vielfältige Pflanzengesellschaften. Die Lärchenwiesen werden auch heute noch traditionell bewirtschaftet, wodurch sich die typische Pflanzenwelt erhalten hat. Oberhalb der Baumgrenze schließen an den flachen Südhängen nahtlos Bergmähder und Almwiesen an.

Die Bergmähder am Nösslachjoch

Die Bewirtschaftung der Bergmähder reicht etwa bis in das 14. Jahrhundert zurück, als die Flächen im Tal noch großteils für den Getreideanbau verwendet wurden. Durch die Mahd auf diesen hochgelegenen Wiesen wird die Landschaft offen gehalten. Die sanfte Geländeformung der Steinacher Decke ermöglicht hier eine für Tirol einzigartige Ausdehnung dieser artenreichen Bergmähder. 

 

Das Tannenvorkommen im „Oberlawieswald“

Im Gschnitztal existieren - umgeben von Fichten - noch kleine „Inseln“ eines ehemals ausgedehnten Tannen-Vorkommens. Im Oberlawieswald wachsen die tief wurzelnden Tannen auf dem Dolomituntergrund steiler, felsdurchsetzter Nordhänge. Im Laufe der Jahrtausende hat sich durch Selektion die so genannte „Gschnitzer Trockentanne“ entwickelt. Sie ist an den trockenen Standort besonders angepasst. Seit 1981 genießt dieses einzigartige Tannenvorkommen als Geschützter Landschaftsteil einen besonderen Schutzstatus. 

Naturdenkmal Obernberger See

Der auf 1.593 Metern Höhe gelegene See ist durch die Absperrung des Tales, verursacht durch einen Bergsturz am Obernberger Tribulaun, enstanden. Der See wird größtenteils durch unterirdische Zuflüsse (Sickerwasser) gespeist. Die maximale Wasserstandsschwankung beträgt sieben bis zehn Meter. Im Frühsommer hat er seinen höchsten Stand. Dann sind die zwei Becken bei der Brücke zur Kapelle „Maria am See“ miteinander verbunden und bilden mit einer Fläche von insgesamt 17 Hektar einen der größten Seen der Nordtiroler Zentralalpen. Der idyllische Bergsee wurde bereits 1935 zum Naturdenkmal erklärt.

Die Fischfauna besteht aus Bach- und Seeforellen, Seesaiblingen, Elritzen und selten auch Koppen.