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Martinswand - Solstein - Reither Spitze

Lage:

Dieses Schutzgebiet ist ein Teil des Naturparks Karwendel und umfasst den südwestlichen Teil des Karwendelgebirges. Es erstreckt sich von der Reither Spitze im Westen bis zum Kemacher (2480 m) bzw. Höttinger Graben im Osten und schließt den Südhang der westlichen Nordkette sowie der Erlspitz-Gruppe ein.

Größe:

47,7 km², Seehöhe: 800 m - 2641 m (Kleiner Solstein), liegt im Gebiet der Landeshauptstadt Innsbruck, der Marktgemeinde Zirl und der Gemeinde Reith bei Seefeld, Bezirke Innsbruck-Stadt und Innsbruck-Land.

Erreichbarkeit:

Fahrstraße nach Hochzirl, sonst keine öffentlichen Straßen. Mehrere Forststraßen im Brunntal, im östlichen Teil Seilbahn auf die Seegrunge bzw. Hafelekar; von Seefeld aus Seilbahn bis unter Reither Spitze.

Viele Wanderwege (Naherholungsgebiet von Innsbruck), auch über der Waldgrenze mit weiten Rundblicken ins Inntal und gegen die Stubaier Alpen einerseits sowie gegen die Urlandschaft der inneren Karwendelketten andererseits.

 

Beispiele für beeindruckende Wanderwege:

  • durch den Höttinger Graben auf die Höttinger Alm
  • Durrachsteig (zwischen Aspachhütte und Achselbodenhütte)
  • Söldensteig (zur Neuen Magdeburger Hütte, 1637 m)
  • Höttinger Schützensteig auf die Solstein-Gipfel
  • Freiungen Höhenweg (zwischen Solsteinhaus, 1805 m, und Nördlinger Hütte, 2238 m)

Berggasthäuser:

  • Höttinger Alm (1487 m)
  • Rauschbrunnen (1092)
  • Brunn-Alm (1100 m)
  • Solen-Alm (1643 m)

Zahlreiche Klettersteige:

  • Innsbrucker Klettersteig (vom Kemacher über die Sattelspitzen zum Frau-Hitt Sattel)
  • Julius Pock-Weg (vom Frau-Hitt Sattel auf die auf die Vordere Brandjoch Spitze)
  • Zirler Klettersteig (von der Erlscharte auf die Erl-Spitze)
  • Kaiser-Maximilian Klettersteig (zur Kaiser-Maximilans-Grotte in der Martinswand)

 

Landschaftsausstattung:

Die aus Hauptdolomit aufgebaute Erlspitz-Gruppe zeichnet sich durch rauhe zerklüftete Grate, schroffe Felszacken und feine Felsnadeln und Felstürme aus, während in der Solsteinkette (Wetterstein-Kalk) einschließlich des vorgelagerten Hechenberg-Massivs steile Wandfluchten und massige Felsformen dominieren. Die Wirkung der eiszeitlichen Vergletscherung lässt sich unter anderem noch in sanften Geländeformen, wie z.B. am Erlsattel, erkennen. Die alpinen Schuttablagerungen wirken landschaftsprägend und reichen in Steinschlag- und Lawinenrinnen mit breiten Schuttfächern weit hinunter. Das größte Kar ist das Schneekar unter den Brandjoch-Spitzen (2559 und 2599 m). Der Kleine Solstein ist mit 2641 m der höchste Gipfel des Schutzgebietes.

Tief eingeschnittene Schluchten: Schlossbach- und Ehnbach-Klamm bei Zirl und die Kranebitter Klamm.

 

Geologische und botanische Besonderheiten:

  • Höttinger Breccie (Moränenablagerung der Inntal-Vergletscherung) aus verkittetem Schutt der Innsbrucker Nordkette mit kristallinen Gerölleinschlüssen. Weltbekannt durch Funde von warmzeitlichen Pflanzenresten, fossile "Höttinger Flora" (z.B. Pontische Alpenrose (Rhododendron ponticum), die heute in Tirol nicht mehr vorkommt). Urlandschaft mit unzugänglichen Gebirgsbach-Schluchten (Ahorn und Ahorn-Eschenwälder)
  • montane bis subalpine Steilhangwälder (Föhren, Fichten, Fichten-Tannen-Buchen, Buchen, Fichten-Tannen, Fichten-Lärchen)
  • Krummholzgürtel (Alpenrosen-Legföhren)
  • Schuttvegetation (Augenwurz-Goldhaferflur, Schneepestwurzflur)
  • alpine Urwiesen (Blaugras-Horstseggen, Polsterseggen, Nacktried)
  • Schneebodengesellschaften
  • Felsregionen

Als Besonderheit sind die traditionellen Kulturlandschaftsflächen zu nennen. Es handelt sich um lichte grasreiche Lärchenwiesen mit meist einmal jährlicher Mahd. Diese blütenreichen Magerstandorte sind in den Sommermonaten sowie während der herbstlichen Laubverfärbung der Lärche besonders beeindruckend. Man findet sie bei:

  • Neue Magdeburger Hütte (Martinsberg-Alm)
  • Reith (Stellach-Mähder)
  • Garbers-Alm (Ameisegg)
  • Zirler Mähder (aus dem Schutzgebiet ausgenommen)

  

Besonders bemerkenswerte Lebensgemeinschaften / Lebensräume:

 

Südabhänge des Hechenberges:

lichte trockene Steilhang-Föhrenwälder und Eichen-Föhrenwälder, Felswandfluren und kleine Trockenrasen; Laubmischwälder mit Traubeneiche am Hangfuß mit Urwaldcharakter und submediterranen Florenelementen als Relikte postglazialer Wärmezeiten, z.B.

  • Mannaesche (Fraxinus ornus)
  • Blasenstrauch (Colutea arborescens)
  • Strauchwicke (Coronilla emerus)
  • Gemeines Heideröschen (Fumana procumbens)

Wärmestandort mit vielfältigem Artenspektrum an wärme- und trockenliebenden Wirbellosen, Reptilien und Vögeln mit z.T. seltenen Arten. Am Fuße des Hechenberges schließt das Naturschutzgebiet Martinswand an.

 

Kranebitter Klamm:

Vielfalt mosaikartig miteinander verzahnter Lebensräume wie:

Feucht-kühle Schluchtvegetation, Schotterfluren mit alpinen Pflanzen sowie warm-trockene, grasreiche Kiefernbestände und Felsstandorte.

Eibenreiche Fichten-Tannen-Buchen-Wälder im Nahbereich der Kranebitter Klamm:

Aufgrund des unzugänglichen Standortes weisen diese Bestände noch einen hohen Natürlichkeitscharakter mit einem großen Totholzanteil und einer ausgeprägten Strukturierung auf. Erwähnenswert ist hier das häufige Vorkommen der Eibe (Taxus baccata), einem subatlantischen Element, das an luftfeuchte wintermilde Klimalagen gebunden ist. Die Eibe gehörte von altersher zu den begehrtesten Holzarten, wie erhaltene Gerätschaften aus Pfahlbausiedlungen belegen. Sie war als Schnitz- und Bogenholz begehrt. Der Bogen des "Mannes im Eis" (Ötzi) ist aus Eibenholz geschnitzt! Durch Wildverbiss ist ihre Verjüngung allgemein gefährdet.

 

Ehnbachklamm:

Durch die vielfältige Strukturierung sind kleinräumige Standortsunterschiede mit einer hohen Biotopvielfalt gegeben. Der Bach mit seinen naturbelassenen Fließstrecken und einer reichen Gewässerfauna schafft vegetationsfreie Kies- bzw. Schotterflächen sowie eine Gebirgsbachau (Grauerlenau). Trockene Föhrenwälder, kleinflächige Felsstandorte und Bergmischwälder bieten einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt günstige Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Schlossbachklamm:

Die Schlossbachklamm zeigt einen vielfältigen Wechsel von weiten und engen Schluchtabschnitten mit größeren Kies- bzw. Schotterflächen, an die auf beiden Talseiten Föhrenwälder mit z.T. hohem Spirkenanteil (Pinus uncinata) anschließen. Das Landschaftsbild wirkt durch die zu vielfältigen Formen erodierten Felszacken und -türme, die von steilen Schuttrinnen durchzogen werden, besonders eindrucksvoll.

 

Lärchenwiesen bei Reith (Stellach-Mähder):

Die Lärchen-und Trockenwiesen bei Reith, die in ihrer Ausprägung zu den gefährdetsten Vegetationstypen gehören, bereichern das Landschaftsbild durch ihren Blütenreichtum wesentlich.