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Achstürze - Piburger See

Das Landschaftsschutzgebiet liegt innerhalb eines Bergsturzgeländes im vorderen Teil des Ötztales auf der ortographisch linken Talseite.

Kurzsteckbrief:

Fläche: 203 ha

Standort: Ötz (Imst)

Seehöhe: 774 - 1033 m

Landschaftsschutzgebiet seit 1983

Das Schutzgebiet umfasst neben der unmittelbaren Umgebung des Piburger Sees auch den nördlich gelegenen Bergrücken zum Ötztal sowie die östlich des Sees gelegenen Achstürze bis zum Habicher See und einen Teil des Talbodens bei Habichen einschließlich eines ca 500 m langen Abschnittes der Ötztaler Ache. Östlich des Piburger Sees schließt ein Bergsturzgebiet aus Gneisen an. Ein Hügelrücken trennt das Gebiet des Piburger Sees vom Haupttal ab. Ursprünglich war die Senke des Sees eine alte Talfurche parallel zum Haupttal, die an ihrem südöstlichen Ende durch einen nacheiszeitlichen Felssturz versperrt wurde. Dadurch wurde sowohl der Piburger See aufgestaut als auch die Ötztaler Ache verlegt. Die großen Wassermassen dieses Gebirgsflusses, die sich daraufhin durch das Blockwerk gegraben haben, ließen eine eindrucksvolle Stromschnellenstrecke innerhalb der sogenannten Achstürze entstehen.

 

Erreichbarkeit: 

Nach Piburg führt von Ötz aus eine asphaltierte Straße. In Piburg befindet sich ein im Sommer gebührenpflichtiger Parkplatz östlich des Hotels Seerose. Der Zugang zum See ist nur zu Fuß möglich. Von Ötz und Habichen führen Wanderwege in das Gebiet. 

 

Landschaftsausstattung:

An Landschaftsformen findet man:

Kulturlandschaft: Die landwirtschaftlich genutzten Bereiche (Äcker, Wiesen, Weiden) liegen nördlich von Piburg. Diese Flächen sind kleinflächig gegliedert, durch Flurgehölze getrennt und werden durch kleine, mit Laubgehölzen bestandene Felskuppen aufgelockert. 

Seeflächen und Seeuferbereiche des Piburger und Habicher Sees: Die Seen sind fast zur Gänze von Wäldern umschlossen. 

Blockwald: Bewaldete Hänge wechseln mit z.T. steilen Felshängen und Grobblockhalden ab. Der urtümlich anmutende Wald um den Piburger See ist vom Felssturz geprägt. Zwischen riesigen Blöcken, dicht mit Moosen und Farnen bedeckt, finden die Bäume nur mühsam Raum für ihre Wurzeln. In den z.T. bis über 20 m tiefen Kluftspalten zirkuliert kalte Luft und beeinflusst die Pflanzen- und Tierwelt. 

Achstürze: Sie sind eine Wildwasserstrecke der Ötztaler Ache. Der Fluss schießt mit gewaltigen Wassermengen durch die Felsen und bewegt hausgroße Blöcke. Die Achstürze sind durch einen Steig und eine Brücke gerade über die wildesten Strudel des Flusses zugänglich und bieten somit ein Naturerlebnis ersten Ranges. 

 

Der Piburger See:

Seehöhe: 913 m, Fläche: 13,37 ha, Uferlinie: 1,9 km, Maximale Tiefe: ca 25 m, Mittlere Tiefe: ca 14 m. Gesamteinzugsgebiet: 265 ha. Bedingt durch die Lage im Kristallin besitzt der Piburger See sehr weiches Wasser. Durch seine landschaftlich überaus reizvolle Lage, sein weitgehend unverbaut gebliebenes Einzugsgebiet und seine relativ hohen Wassertemperaturen im späten Frühjahr und Sommer ist der Piburger See ein beliebtes Ausflugsziel. 

Der einzige oberirdische Zufluss ist der Piburger Bach (Schüttung 6-22 l/s), ein Gebirgsbach mit 103 ha Einzugsgebiet. Fast 40 % des Wasserzuflusses zum See erfolgt unterirdisch.

Der oberirdische Abfluss verlässt den See an seiner nordwestlichen Spitze. Dieser wurde aber im 19. Jahrhundert in einen unterirdischen Kanal verlegt und so der Seespiegel um ca 1,5 m abgesenkt. Zur Bekämpfung des überhöhten Nährstoffeintrages durch die Landwirtschaft wurde Anfang der 70er Jahre zur Ableitung des sauerstoffarmen Tiefenwassers ein sog. "Olszewski-Rohr" eingelegt. 

Der Piburger See dürfte nicht nur der am besten geschützte See Tirols sein (Naturdenkmal, Landschaftsschutzgebiet, Seenschutzbereich), sondern auch der am besten untersuchte See. Seit 1931 werden hier gewässerkundliche Untersuchen durchgeführt, seit 1975 läuft ein intensives Untersuchungsprogramm mit regelmäßigen Kontrollen durch das Institut für Zoologie und Limnologie der Universität Innsbruck, aus dem zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen resultieren. 

 

Der Habicher See:

Lage: südlich von Habichen im Ötztal, westlich der Ötztaler Ache. Seehöhe: 840 m, Fläche: 1200 m², ca 25 m breit und 50 m lang. Der Abfluss dieses Sees in die Ötztaler Ache stellt die Schutzgebietsgrenze zum Weiler Habichen dar. 

 

Flora und Fauna:

Der überwiegende Teil des Gebietes wird von Wäldern (hauptsächlich Fichtenwald mit Föhre und Lärche, auch Schlucht- und Blockwälder mit Laubbäumen) bedeckt. Daneben findet man auch nährstoffreiche Mäh- und Streuwiesen sowie kleinräumige Feuchtgebiete in der Nähe der Seen und Zuflüsse (Kleinseggensümpfe und Moore, Schilfröhricht). 

Im Schutzgebiet wurden in verschiedenen Wiesengesellschaften (Feucht- und Nasswiesen entlang von Bachläufen, Hochstaudenfluren, Kleinseggensümpfen und Mooren) eine Reihe von geschützten Pflanzen nachgewiesen:

  • Braun-Segge (Carex nigra)
  • Große Gelbsegge (Carex flava) 
  • Schnabelsegge (Carex rostrata) 
  • Trollblume (Trollius europaeus) 
  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris) 
  • Geflecktes Fingerknabenkraut (Dactylorhiza maculata) 
  • Eigentlicher Wolfseisenhut (Aconitum lycoctonum ss. vulparia) 
  • Blutwurz (Comarum palustris) 
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis) 
  • Hain-Schachtelhalm (Equisetum pratense)

 

An trockenen Extremstandorten auf Felsbändern oberhalb von Habichen hat sich eine Felsvegetation gebildet, die u.a. die geschützten Arten Echte Hauswurz (Sempervivum tectorum) und Maiglöckchen (Convallaria majalis) enthält. 

 

In der Krautschicht der Waldgesellschaften findet man u.a.:

  • Eigentlicher Wolfseisenhut (Aconitum lycoctonum ssp. vulparia) 
  • Großer Fingerhut (Digitalis grandiflora) 
  • Türkenbund (Lilium martagon) 
  • Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) 
  • Geflecktes Fingerknabenkraut (Dactylorhiza maculata) 
  • Kleines Zweiblatt (Listera cordata) 

 

Das Ufer des Piburger Sees wird durch steile Böschungen charakterisiert. Typische Ufergesellschaften finden sich nur an zwei Buchten u.a. mit:

  • Schilf (Phragmites australis) 
  • Sumpfblutauge (Comarum palustris) 
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata) 
  • Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) 
  • Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) 
  • Steife Segge (Carex elata) 
  • Schnabel-Segge (Carex rostrata) 
  • Braun-Segge (Carex nigra) 
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis) 
  • Weiße Seerose (Nymphaea alba)

Seggen- und Pfeifgrashorste sind vorwiegend an der Westseite und im Bereich der Nordwestbucht ausgebildet. Im Bereich des Seeabflusses ist neben einem kleinflächigen Bruchwald auch ein Torfmoosrasen (Sphagnum sp.) ausgebildet. 

An den Ufern des Piburger Sees sonnen sich Ringelnattern. 

 

Menschliche Einflüsse:

Das Gebiet um den Piburger See wird seit Jahrzehnten für den Fremdenverkehr genutzt. Schwerpunkt touristischer Aktivitäten sind:

  • Rundwanderweg um den Piburger See vom Weiler Piburg; vor allem Tagestouristen und Durchreisende.
  • Öffentliche Badeanstalt und Uferbereiche: ca 12.000 Personen pro Saison, hauptsächlich aus dem Nahbereich um Ötz, stark witterungsabhängig. Daneben aber auch immer wieder "Wildbaden" außerhalb der Badeanstalt.
  • Wanderwege und Steige: Das Landschaftsschutzgebiet weist ein stark verzweigtes Wegenetz auf. Die Forststraßen, insbesondere zur Badeanstalt, werden neuerdings auch von Mountain-Bikern benutzt. 

Forstwirtschaft: Im Landschaftsschutzgebiet kommt flächenmäßig dem Schutzwald die größte Bedeutung zu. Genutzt wird der Wald dabei nur in sehr geringem Ausmaß in Form von Einzelstammentnahmen bzw. Rodung kleinerer Flächen von max. 0,2 ha Größe. Die gerodeten Flächen werden auf der Nordseite vom See nicht aufgeforstet, sondern einer natürlichen Entwicklung überlassen. Im Süden wird dagegen Aufforstung betrieben. 

Fischerei: Der natürliche Fischbestand besteht aus Barsch, Aitel, Rotfeder und Rotauge. Zu Zwecken der Fischerei wird der Piburger See mit Regenbogen-, Bach- und Seeforelle sowie See- und Bachsaibling besetzt. Das Fischen ist nur vom Ufer aus erlaubt.

Landwirtschaft: Die landwirtschaftlichen Flächen im Landschaftsschutzgebiet unterliegen laut der Schutzverordnung keinen Nutzungsbeschränkungen. Im Rahmen der Bekämpfung der Überdüngung des Sees wurde mit den Bauern ein Vertrag abgeschlossen, wonach auf den Einsatz von Kunstdünger verzichtet sowie bei der Ausbringung von Gülle und Stallmist im Einzugsbereich des Piburger Sees Zurückhaltung geübt wird.

 

Quellen:

PECHLANER, R., PEHOFER, H., PSENNER, R., ROTT, E. und P. SCHABER (1989): Ziel und Ergebnis von 18 Jahren Ökosystemforschung am Piburger See (Tirol). Österreichischer Staatspreis für angewandte Ökosystemforschung. Ausgezeichnete Arbeiten. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Wien: 95-125. 

PSENNER, R. (1988): Alkalinity generation in a soft-water lake: water-shed and in-lake processes. - Limnol. Oceanogr., 33(6, part 2): 1463-1475. 

bes. Wirkung des Olczewski-Rohres (installiert Juni 1970) auf Sauerstoff, Aklalinität, u.a. auch Sulfat, Hydrogen-Sulfid, Eisen (von GANTHALER 1977) 

PSENNER, R., PECHLANER, R. und E. ROTT (1984): Belastung und Belastbarkeit des Piburger Sees. - Veröff. Österr. MaB Programm Bd. 8. Der Einfluß des diffusen Nährstoffeintrages auf die Eutrophierung von Seen. Teil 1. Piburger See, Wörther See und Millstätter See (Hrsg. R. PECHLANER und H. SAMPL). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 7-74. 

Schutzgebietsinventar Piburger See - Achstürze. - Ökozentrum Neustift, Vahrn, im Auftrag der Abteilung Umweltschutz, Amt der Tiroler Landesregierung, November 1996.